Zunächst wieder zur Übernachtung. Der Platz in Altandhu ist „uns“ sehr gut bekommen. Mit der Nase zum kräftig von See her blasenden Sturm war es fast wie im Erlebniskino. Scheinbar ist fast Vollmond und dieser beleuchtete die See sehr eindrucksvoll. Das Säuseln um den Schlafwagen und dessen Schaukeln im Wind ließen mich wie ein Baby schlafen. Heut morgen pfoff mir ein unverhofft ziemlich verwohnt dreinblickendes Pubertier entgegen, dass es erst gegen 2 Uhr, ob des Schnarchens, einschlafen konnte. Ich wollte natürlich sofort die Nachbarschläfer mit vernichtenden Blicken abstrafen, als dieses kleine Stinktier doch glatt und unverhohlen andeutete, ich – ja der liebe Vati – wäre der Grund für ihren Mangel an Schönheitsschlaf gewesen. Dahin ist die von mir am Vortag so sehr bewunderte Diplomatie. Wie konnte ich nur denken … lassen wir das.
Im Laufe der Nacht fanden sich auf unserem Platz noch diverse Kanubegeisterte ein, die dann in echt neben ihren paddelbootsbepackten Autos IN ZELTEN schliefen. Wie wir am Morgen ihren leicht zerknitterten Antlitzen entnommen haben, blieb es eher bei dem Versuch, richtig zu schlafen. Im Geiste trommelte ich mir wie ein Silberrücken auf die Brust – ich habe einen Schlafwagen gebaut, und der verformt sich nicht im Sturm 😛.
Besagter Schlafwagen wurde nach meinem königlichen Erwachen neben das Dusch- und Klohaus umgeparkt. Der Grund ist mitnichten sanitärer Not geschuldet, sondern dort befand sich auch der, einige geneigte Mitreisende im Geiste werden es schon erahnen, der WLAN-Hotspot. Wieder war es für eine geraume Zeit sehr leise… die mit Schlafentzug arg gebeutelte kindliche Kaiserin ging ihren sozialen Verpflichtungen voller Inbrunst nach. Stunden später reisten wir in Richtung Ullapool ab.
Dort angekommen, ging ich alleine, ohne ihre Hoheit, im dortigen Tesco einkaufen. Ich ließ ihr die Zeit zum Chillen. Außerdem hatte ihre Durchlaucht wieder Netz und ging umgehend schon erwähnten Verpflichtungen emsig nach. Ich versuchte, einem nahenden Schwächeanfall ihrer Heiligkeit mit allerlei Leckereien die Stirn zu bieten. Nach dem frischen Salat mit überbackenen Chlebchen reichte ich zum naturtrüben Apfelsaft noch frische Himbeeren. Das Pubertier war besänftigt und ich nich mehr der stille Arsch der Nation…Yeah.
Dann ging es auf einen Spaziergang durch Ullapool. Ich liebe diese Stadt. Hier ließe es sich durchaus, in einem weiter vorangeschrittenen Stadium bereits erwähnter Ergrauung, mit der daheimgebliebenen Admiralität leben. Das neu zum Leben erwachte Pubertier sammelte tolle Steine und Muscheln für unsere beiden kleinen Pubertiere in spe.

Weiter in südlicher Richtung (Schatz, muss ich noch sagen, dass das heißt – nach unten? 😉) entschlossen wir uns hinter Braemore nach rechts auf die A832 in Richtung Gairloch abzubiegen. Dicke Empfehlung an dieser Stelle, die Straße ist fantastisch. Mann könnte alle paar Meter anhalten zum Fotografieren, leider hätte Pubertier gleichermaßen oft zum Speien stoppen können. Diesen Magen hatte ich aber kurz zuvor mit solcherlei Leckereien gefüllt, dass ein irreguläres Entleeren nicht hinnehmbar war.
Da, angekommen im eigentlichen Tagesziel Gairloch, noch so viel Tag übrig war, wurde es wieder Zeit für das Schlafwagenkonklave. Schon nach kurzer Zeit stieg weißer Rauch auf, denn wir waren uns einig – auf nach Applecross! Ich, wir, lieben diesen Ort an der Westküste. Wer von den Lesern mal in diese Region kommt, MUSS hier einfach her. Der Weg ist das Ziel, und das Ziel ist unglaublich schön, geheimnisvoll, urig, schroff und herzlich. Aber schon der Weg dahin…ein Träumchen sag ich!!!

Also erstmal die Straße von Kinlochewe nach Torridon ist schon der 🔨. Durch den Glen Torridon zwischen riesen Bergen mit Wasserfällen und, wenn man mal kurz verweilt, röhrenden Hirschen. Apropos, diesen Teil schreibe ich auch zur Information des Pubertiers, welches sich beseelt grunzend für ein Stündchen aus dem Kreis meldete. (Funkersprache für – das Pubertier schlief)
In Shieldaig musste noch eine weitere Entscheidung getroffen werden, Küstenstraße oder Bergpass Bealach na Ba. Das hab ich allerdings gaaanz allein entschieden – Berpass! Der ist bei winterlichen Bedingungen gesperrt, was ich dem Pubertier erst mitteilte, als wir gerade in den wolkenbehangenen Bergpass einfuhren. Lustiges Gequietsche und ein gelegentliches „ach du scheiße“ kam während der gesamten 30 Minuten Aufstiegsfahrt vom Beifahrersitz – welch ein Ansporn.
An dieser Stelle möchte ich kurz ein Ritual erwähnen, welches das Pubertier und ich an kniffligen Passagen zelebrieren. Einer von uns beiden plärrt dann – Streichel das Auto und mach das Zeichen! (Wer den Animationsfilm Oben kennt, weiß was mit besagtem Zeichen gemeint ist 😉) Es scheint zu helfen – immer bloggt er noch…
Oben angekommen, gönnten wir dem mehrfach gestreichelten Schlafwagen eine ausgiebige Pause, auch die Pubertiermagen wollte sich kurz beruhigen. Wider Erwarten meinerseits blieb alles im Pubertier – Chapeau mein liebes Kind, Chapeau 💋!


Dann ging es natürlich auch noch wieder runter Richtung Applecross – was für ein Klacks für uns, die wir nunmehr erfahrene Bergziegen, oder eher Hanghühner, sind. In Applecross checkten wir auf der Campsite ein. 14 £ für die Nacht sind vollkommen ok.
Jetzt kam das, wofür sich allein schon fast jede Mühe der Reise gelohnt hat. Das Einkehren im unter Kennern innig geliebten Applecross Inn. Hier findet, so kommt es mir vor, das wahre schottische Leben statt. Es ist eng und warm – und ich kann mir kaum einen schöneren Ort vorstellen. Das Pubertier und ich essen Chefs Fish Pie, einen Auflauf mit Kartoffelpüree, Lachs, Dorsch und Gemüse. Seit dem ich das letzte mal hier war, träumte ich davon, hierher zurückzukehren und wieder diese Mahlzeit zu genießen.

Nach dem Essen ging es an die frische Luft. (Tipp – in der Saison, also nicht im Winter, steht vor dem Applecross Inn ein zu diesem Pub gehörender Wagen, der Eis verkauft. Die haben da drin auch eine echte Espressomaschine!!!! ALSO noch eine Kugel Amaretti fürs Puber- und einen 4! fachen Espresso für das Vatertier) Für Kunden des Pubs gibt’s im Übrigen auch noch ein Free WiFi. Es ist wohl müßig, zu erwähnen, wer diese Möglichkeit der Kommunikation in vollen Zügen genoss…
Nach dem obligatorischen Steinesammeln am Strand, ging es zurück zum Schlafwagen und dem allabendlichen Reinigungsritus.



Hinterlasse einen Kommentar