Im anhaltenden Dauerregen war der Reisegruppe weniger nach Wanderung. Daher ging es mit den Fahrzeugen auf Erkundungstour in nördlicher Richtung der Highlands. Geplant war ein Rundkurs vom Basislager Dornie über Lochcarron, Shieldaig, Torridon, Kinlochewe – von dort noch einen Abstecher nach Gairloch – bis Achnasheen und wieder zurück.

Der erste Streckenabschnitt war schon ziemlich kurvig und bergig, dennoch blieben alle Lendenfrüchte speifrei (wer hätte das gedacht…).
Aber man merkt schon, dass sie groß werden. Zum Beispiel kam es heute unterwegs immer mal wieder vor, dass ihrö Heiligkeit, die Chefin, oder der FF in Richtung zweite Sitzreihe trällerten „oh, das sieht ja cool aus“ oder „wow, schaut mal“. In jenen Szenen hat eigentlich nur noch gefehlt, dass man wie bei solchen Situationen im Fernsehen ein paar Grillen zirpen hört oder ein trockener Mistelstrauch durch‘s Bild rollert. Also sehen besorgte Erziehungsberechtigte nach hinten und schauen entweder in leere Augen, die in einem im Kopfhörergeräuschetakt wippendem Köpfchen stecken oder gebannt swipend ihr Handy fixieren. Dann kommt‘s mitunter noch vor, dass sie aufschauen und „hä“ sagen oder „schön“. Das letztere aber dann derart langgezogen und gleichgültig, dass man sich eigentlich nur entschuldigen möchte, ihnen Lebenszeit durch unnötige, elterliche Belästigung entzogen zu haben.
Bei der ersten Haltestation in Shieldaig gab es wetterbedingt nur einen kurzen Spaziergang.



Dann ging es weiter nach Torridon. Die Schilder vor Ort versprachen eine Ausstellung lokaler Künstler im Gemeindezentrum. Welchen Stellenwert das Soziale in Schottland hat, durften wir dann hautnah erleben.
Am Haupteingang wurde der FF von einer sehr netten Empfangsdame, darüber informiert, dass sich die Kunstausstellung im Eingangsbereich und im ersten Obergeschoss befände, aber dort aktuell auch eine Impfaktion für Senioren stattfände, von der man sich jedoch nicht stören lassen solle.
Nun, so wie aufgetragen, wollte man sich nicht stören lassen und betrat das Obergeschoss. Dort waren zwei große Räume, deren Wände voll der besagten Kunstwerke hangen. Ein wenig irritierend war nur, dass der eine Galerieraum das heutige (nahezu voll besetzte) Wartezimmer war, während in dem anderen (offen einsehbaren) Galerieraum eine nett dreinblickende Seniorin just im Begriff war, ihre Impfung zu empfangen. Man war fast geneigt, an den im Galeriewartezimmer tuschelnden Exponaten kleine Preisschildchen zu suchen. Die lokale Kunst soll ja auch etwas verdienen und nicht sterben… (vor allem nicht, wenn man sie gerade begutachtet)
Nach der Impfung marschierten die Exponate übrigens in den anliegenden Gemeindesaal mit sehr hübsch eingedeckten Tischchen.
Nach dieser nachdrücklichen Kunsterfahrung ging es weiter über Kinlochlewen nach Gairloch. Auf dem Weg dorthin wurde uns gezeigt, wer die wahren Chefs der Straße sind.

Dort fanden wir womöglich das politischste Café der Highlands, mit tollem Kaffee, Tee, Gebackenem und sozialkritischer Lektüre im dazugehörigen Buchladen.




Vor der Rücktour wollten alle noch am dortigen Sandstrand spazieren gehen und die frische Meeresbrise (wie auch einige ordentliche Regenschauer) genießen. Es blieb einigen auch nicht unbemerkt, dass sich neben dem Strand ein Golfplatz befand. Da musste natürlich auch Ausschau nach Beweisen schändlichen Abschlagverhaltens gesucht werden.



PS: Direkt neben dem örtlichen Golfplatz liegt der örtliche Friedhof… Der MotettenShoe und der FF rätselten über die Beweggründe für eine solche Flurplanung. Kurze Wege vielleicht? Wer versteht schon die Verwaltung.

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