7. Tag – West Coast Trail – und die Kunst des bewegten Entleerens

Die Nacht in Applecross, UNSEREM APPLECROSS, war für fast alle Beteiligten ein Ruhepol und Hort der Entspannung. Wir hatten am Abend noch lange ein Seitenfenster auf und lauschten dem Meer, genossen die milde Seebrise und hörten den liebestollen Hirschen beim Brunften zu. Diese Ferkel!

Einige Wenige, ja vom lieben Pubertier ist die Rede, hatten etwas auszusetzen an der Art und Weise wie andere, ungenannte Chauffeure, zu schlafen gedenken. Auszugsweise war die Rede von diversen „Arten schweren Atmens“. Man(n) kann es ihr eben kaum recht machen. Einfach aussetzen…war ein kurzer Gedankenblitz, der mehr oder minder unverzüglich verworfen wurde. 

Nach einem kurzen Morgenspaziergang an der Applecross Bay wurde der Schlafwagen aufs neue in Gang gesetzt. Die Frage war, Küstenstraße oder Bergpass. Das vom Vortag mit ordentlich Oberwasser ausgestattete Pubertier entschied – Bergpass. Auf halber Strecke nach oben tauchten wir in eine dichte Nebelsuppe ein, die das Pubertier (kurzzeitig) zum Schweigen und mich etwas ins Schwitzen brachte. Bei etwa 20 – 30 Metern Sichtweite setzten wir große Teile des Auf- und Abstiegs fort. Was solls – Leben am Limit – Bäähm 👊🏻


Unten angekommen und nach kurzer Verschnaufpause ging es entlang der sehr ansehnlichen, aber auch kurvenreichen, Strecke in Richtung Kyle of Lochalsh – also ISLE OF SKYE. Etwa auf halber Strecke, die Straße war wiedermal einspurig, drückte ich gegenüber dem Pubertier meine Bewunderung darüber aus, dass sie bei dem Hin und Her ganz entspannt ist und gar nicht über Reiseübelkeit klagt. Das, im Nachhinein ist man ja immer schlauer, hätte ich Rindvieh wohl besser sein lassen sollen…einfach mal Fresse halten.

Noch im Fahren aus dem geöffneten Fenster…und weiter wollen wir dieses Bild hier nicht ausmalen. Kurz gesagt, wir haben einen Zwischenstopp gemacht und nach dem das Pubertier leer und die Seitenwand unseres geliebten Schlafwagens vom größten Schmutz befreit waren, ging es weiter.

An dieser Stelle ein kurzer Gedankenstrich. Das Pubertier hatte sich für den Tag vorgenommen, mit dem Vatertier nur Englisch zu sprechen. So weit es ging, haben wir das auch durchgezogen. Und in Bergpassüberwindungswürdigung unseres unbeugsamen Schlachtrosses sei hier und jetzt festgehalten:

Hug the car and make the sign!!!

Mc D only for big business!!!

Angekommen in Kyle of Lochalsh bekam der Schlafwagen was zu trinken und wir kauften im lokalen Markt noch etwas ein. Als Ansporn, auf der weiteren Etappe viel, wenn möglich sogar alles, drin zu behalten, gönnten wir uns zwei große Portionen des vom Pubertier so innig geliebten Sushis. Sie war total happy und mampfte unter stetigem Versichern, davon auch wirklich alles drin behalten zu wollen, vor sich hin. Gutes Kind…

Im Übrigen möchte ich hier und jetzt feststellen, dass man für Reiseübelkeit EIGENTLICH wirklich nichts kann, nicht mal das Pubertier! Letztlich hätte ich es vielleicht nicht loben sollen. Im Nachgang ist der Tathergang aber wirklich saukomisch mein liebes Kind.  💋

Über die Skye Bridge ging es Richtung Sligachan und links weg auf der A863 an der Küste entlang Richtung Neist Point Lighthouse und dem sehnsüchtig erwarteten Blick auf das Bergmassiv der Three Chimneys. 


Einen Zwischenstopp machten wir am Broch Dun Beag, ein fast 3000 Jahre altes Bauwerk an imposanter Stelle. Wirklich schön zu bewundern und bewandern.


Hier schoss ich ein paar tolle Fotos vom neuerlich erstarkten Pubertier. Persönliches Highlight war aber die Szene, wie ein Pubertier versuchte, verschiedene Wolltiere zu streicheln. Zum Schießen…jedoch hat mir ihre Hoheit die Darbietung diesbezüglichen Videomaterials vehement untersagt. Tut mir leid liebe Welt, dass Du das nicht sehen darfst…diese Eitelkeit, nein nein.


Kurz vor Dunvegan, welches über ein sehr schönes gleichnamiges Castle verfügt, ging es links weg Richtung Glendale. Hier findet sich eine tolle Weberei mit Shop – den Skye Weavers. Da aber heute Sonntag ist – sorry liebe Admiralität, gekauft haben wir für Dich heute – nischt. Hinter Glendale kommt dann auch nach einigen Kilometern der ersehnte Ort. Nun, dieses Mal sind wir auch zum Leuchtturm gewandert. Dieser Weg ist für Leute mit überschaubarer Sportlichkeit – ja Schatz, moi – schon etwas, dass man getrost als kleine Nahtoderfahrung beschreiben könnte. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass auch die Sportschülerin für etwa 10 Sekunden außer Atem war, was sie mir durch mein Schnaufen auch zu verstehen gab, blöde Langohrzibbe. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter, denn als wir gerade wieder oben waren (ja, ich um Einiges später, mein liebes Kind!) fing es an zu regnen und die Sicht wurde fast auf 0 reduziert. Just in diesem Moment machten sich einige Chinesen, ausgestiegen aus einem völlig überdimensionierten Leihwagen, an den Abstieg zum Leuchtturm. Eine Idee von Schadenfreude versüßte mir den verschwitzten Rückweg. Jetzt schäme ich ein bisschen…



Eigentlich wollten wir in der Nähe auf einem Campingplatz bleiben, da die aber bereits (möglicherweise wegen Reichtum?!) für dieses Jahr geschlossen waren, schlugen wir uns bis nach Uig (Jög) durch. Bei der Stadt kommt mir immer der alte Witz in den Sinn, „Mami Mami, ich hab ein Frosch der meinen Namen sagen kann… – Jööörg“. Na ja, nich gerade ein Gassenhauer, wenn man es so betrachtet.

Jetzt sind wir hier, wieder ausgestattet mit sanitären Anlagen. Wenn aber, wie im Herrenbereich, das Licht über einen Bewegungsmelder gesteuert wird und man dann auf dem Klo ist…find mal im Dunkeln das Papier, oder den Ort wo dein Winken von diesem Scheissding mit Licht belohnt wird. Da sieht man sich schon wie man am nächsten Morgen zusammengekauert, vor und zurück wiegend in einer Ecke des Pissoirs aufgefunden wird.

Gleiches Problem fand sich auch bei den Damenduschen. Die kindliche Kaiserin kommentierte meine traumatische Erfahrung nur müde mit, „Ihich hab doch ne Lampe am Handy“. Mein liebes Kind – Klugscheißer mag keiner!

GUTE NACHT

4 Antworten auf „7. Tag – West Coast Trail – und die Kunst des bewegten Entleerens

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  1. Herrlich! Ein solches Abenteuer ist ja immer für beide Hauptdarsteller, also Pubertier und Lei(d)thammel eine bleibende Erfahrung. Wie es aussieht, macht es Spaß. Es sei euch so gegönnt.
    Herzliche Grüße….. Konrad.

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