9. Tag – überall Shortbread, fast ausgestorbene Orte und wie besucht man Ruinen, wenn die alle sturmfrei haben

Wie sollte man den heutigen Tag am treffendsten beschreiben? Zunächst schien die Sonne, und der Wind pfoff mäßig von Süden. Also wurde der Plan gefasst, lieber etwas ins Inland zu fahren, da es bei ablandigen Böen zu unschönen Momenten bei einer Steilküstenwanderung kommen könnte. Eben noch am schwatzen mit der Göttergattin und schwups, fliegt die süße Maus elfengleich dahin…

Es ging also zunächst an der Küste entlang durch alte Fischerorte wie Findochty, Portessie, Buckie und Portgordon und dann geradewegs nach Süden zum Werksverkauf von Walkers Shortbread in Aberlour.

Da es auch dort ziemlich windig war, konnte man dieses Mal gar nicht richtig wahrnehmen, wie es überall nach Gebäck duftet – schade. Aber im Werksverkauf war die Welt dann schon wieder in Ordnung.
Nachdem dann anständig Moneten den Besitzer gewechselt haben, sollte es über einen weiteren-als-nötig-aber-dafür-schöneren Weg nach Dufftown gehen.

Man muss ja mal wirklich feststellen, in dieser Region von Ort zu Ort zu fahren, ist wie wenn man mit den Augen durch (m)einen Whisky-Schrank geht – Glenlivet, Cardhu, Knockando, Aberlour, Craigelachie, Glenallachie, Glendronach …

Angekommen in Dufftown war es irgendwie ernüchternd, wie wenig da los war. Zugegeben, wir waren schon lange nicht mehr hier, aber etwas lebhafter hatten wir es schon in Erinnerung.

Und weil nicht so richtig was zum Verweilen zu finden war, sollte es noch ein kurzer Zwischenstopp am Balvenie Castle sein, eine ziemlich große Ruine direkt neben der gleichnamigen Destillerie. Hier war aber nur gucken und nich anfassen, Alter. Die Ruine war gesperrt, wohl auch eine Straße daneben. Da wird der vergangene Sturm sicher einen gehaltvollen Beitrag geleistet haben.

Bei der Weiterfahrt nach Huntly war grundsätzlich der Plan, bei dem wirklich sehr schönen Auchindoun Castle (ock-in-doon – nur zur Sicherheit) anzuhalten, da das aber ziemlich nackig auf nem Hügel liegt und die heutige Sturmwarnung sich zu bewahrheiten begann, haben wir uns dagegen entschieden und wollten stattdessen Huntly Castle besuchen.

Dort angekommen, stellte sich heraus, dass dieses Bauwerk ebenfalls sturmwarnungsbedingt geschlossen hatte.

Immerhin war es dahin ein schöner Spaziergang bei starkem Wind und leichtem Regen – besser so, als andersrum – bei uns ist das Glas ja wohl immer halbvoll!

Also war es sicher ne gute Idee, wieder in Richtung Basislager zu tuckeln. Der Rückweg hatte dann sogar noch was zu bieten.

Es gab kuschelfertige Plüschkühe und schöne verträumte Hafenstädtchen.

Kurz vor Sonnenuntergang konnte man dann noch ein bisschen am Ufer nach Seeglas schauen und den wirklich penetranten Flugratten, nein, den für das Ökosystem so ungeheuer bedeutsamen Möwen, lauschen.

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